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der Ostkirche

Die ukrainische griechisch-katholische Kirche

Von Michael J.L. La Civita

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Historiker gebrauchen häufig Wörter wie “wiedergeboren” und “wiedererwachend”, um die griechisch-katholische Kirche der Ukraine zu beschreiben. Obgleich solche Adjektive die Situation der Kirche in der Ukraine korrekt wiedergeben mögen, seit sie aus den Katakomben der Sowjetunion wieder auftauchte, können sie nicht die Verhältnisse für die gesamte Kirche beschreiben, die in Nord- und Südamerika, Australien und Ozeanien und Westeuropa schon bis zu einem Jahrhundert lang eine Blütezeit erlebt hat. Die ukrainische griechisch-katholische Kirche ist nicht mehr nur die Glaubensgemeinschaft eines isolierten osteuropäischen Volkes, sondern eine weltweit verbreitete Kirche, die durch Bande der Tradition und Beharrlichkeit miteinander verbunden ist.

Ursprünge. Die modernen Ukrainer haben dieselben Ursprünge wie Weißrussen, Ruthenen und Russen, die allesamt das Reich der Kiever Rus’ als ihr eigenes betrachten. Im neunten Jahrhundert strömten die Waräger — ein skandinavischer Volksstamm, der für seine Wildheit und Freibeuterei bekannt war — nach Zentraleuropa, siedelten sich unter den einheimischen slawischen Volksstämmen an und gingen Mischehen mit ihnen ein. In ihrer Gesamtheit die Rus’ genannt, gründeten sie Städte am Dnjepr, Dnjestr und Don, behaupteten die Kontrolle über die Handelsrouten vom Baltikum zum Schwarzen Meer und entwickelten intensive Handelsbeziehungen mit Konstantinopel, der Hauptstadt des christlichen Oströmischen Reiches, das allgemein als Byzanz bekannt ist.

Eine solche Stadt, Kiev, wurde vorherrschend, und ihr Führer nahm den Titel des “Velikiy kniaz”, oder Großfürsten, an. Der Großfürst kontrollierte die Stadt und ihre Umgebung, während ruthenischeVerwandte, die von Novgorod (einer Stadt in der Nähe des heutigen St. Petersburg) bis Halytsch (das heute eine Kleinstadt in der südwestlichen Ukraine ist) verstreut wohnten, ihm Bündnistreue schworen.

Das Christentum wird angenommen. Den Chroniken der Rus’ aus dem 12. Jahrhundert zufolge sandte Großfürst Vladimir I. (956-1015), der darauf bedacht war, die polytheistische Religion seines Volkes aufzugeben, Emissäre aus, die etwas über das Christentum, das Judentum und den Islam in Erfahrung bringen sollten. Obwohl die mächtige Großmutter Vladimirs, Fürstin Olga (879-969), das Christentum angenommen hatte, während sie sich in Konstantinopel aufgehalten hatte, hatte es sich bei ihrer Konversion nur um eine persönliche Bekehrung gehandelt. Sie hatte ihren Sohn oder ihr Volk noch nicht im byzantinischen christlichen Glauben unterwiesen.



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Tags: Ukrainian Greek Catholic Church Carpatho-Rusyn