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Vielfalt in Australien

Ukrainische Katholiken, Chaldäer und Kopten Verleihen dem Australischen multikulturalismus eine östliche note

Bericht und Fotos von Sean Sprague

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Sogar viele gut informierte Beobachter betrachten Australien als ein Land der Einwanderer, obgleich seine einheimischen Völker seit fast 50.000 Jahren auf dem Kontinent vertreten sind. Und obgleich es Parallelen zur historischen Erfahrung in Nordamerika gibt, waren die ersten europäischen Siedler in Australien unterschiedlich geprägt. Anders als Puritaner, Hugenotten und Katholiken, die vor der religiösen Verfolgung und Diskriminierung in Europa flohen und Zuflucht in Nordamerika suchten, kamen Europäer in den späten Jahren des 18. Jahrhunderts als Strafgefangene in Massen in Australien an; Großbritannien gebrauchte Australien als eine Strafkolonie.

Als die Europäer auf dem Kontinent Fuß gefasst hatten, begann der abrupte Niedergang der Eingeborenen, die für die Zeit der Besiedlung auf 350.000 geschätzt wurde. Er war in der Hauptsache auf ansteckende Krankheiten zurückzuführen. Ein offenes Land, ein Goldrausch und der Bau von Eisenbahnlinien sorgten für einen Einwanderungsboom in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der nicht auf Europäer beschränkt blieb. Reaktionäre, antiasiatische diskriminierende Praktiken sorgten jedoch schon bald für Gesetze, welche die Besiedlung Australiens allein auf Nordeuropäer beschränkte. Diese “Politik des weißen Australiens”, die im Jahre 1901 landesweit gesetzlich verordnet wurde, bestimmte die Einwanderung mehr als vier Jahrzehnte lang, bis Reformen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Wirkung nahezu gänzlich beseitigten.

Im Jahre 1975 verabschiedete die australische Regierung das Anti-Rassendiskriminierungsgesetz, welches dieser rassisch begründeten Einwanderungspolitik ein Ende setzte. Im Anschluss daran hat das Land einen großen Zustrom nichteuropäischer Einwanderer erlebt. Zudem ist die einheimische Bevölkerung schnell wieder angestiegen.

Zu diesen Neuankömmlingen zählten insbesodere Christen aus den Ostkirchen — Armenier und Assyrer; Chaldäer, Maroniten, melkitische und ukrainische griechisch-katholische Christen sowie koptische, griechische, mazedonische, russische, serbische und syrische Orthodoxe — deren kleine, aber lebendige Gemeinschaften zur Entwicklung eines multikulturellen Australien beitragen. Um mehr zu erfahren, habe ich drei davon persönlich besucht.

Bei einem Mittagessen, das aus neuseeländi-schen Muscheln, Kängurusteaks und einer Flasche rotem Sauvignon bestand, sprach Bischof Peter Stasiuk, der das Mahl mit Hingabe zubereitet hatte, über seine kleine, aber wachsen-de ukrainische griechisch-katholische Gemeinde.

“Unsere Liturgie zieht viele Außenstehende an, und mehrere hundert haben den Ritus gewechselt, um sich uns anzuschließen, insbesondere Menschen, die Geistliche werden möchten.”

Der in Kanada geborene Bischof ist für 34.000 Gläubige verantwortlich, die in ganz Australien und Neuseeland verstreut sind. Die meisten ukrainischen griechisch-katholischen Gläubigen jedoch leben in Melbourne und Sydney.

“Es gibt 1,5 Millionen lateinische [römische] Katholiken in Melbourne, und viele von unseren Leuten besuchen ihre Kirchen, wenn sie näher zu ihrem Wohnort gelegen sind.”



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