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Das Werk einer Schwester

Die griechisch-katholischen Basilianerinnen in Ungarn haben keine Zeit verschwendet, um wieder an die Arbeit zu gehen

Von Jacqueline Ruyak

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Als die kommunistische Regierung Ungarns im Jahre 1950 die monastischen Gemeinschaften des Landes auflöste, war Imre Ágota Margit 18 Jahre alt. Sie hatte gerade ein Leben als eine Schwester des hl. Basilius des Großen, einer griechisch-katholischen Nonnengemeinschaft, die durch die Mönchsregel des hl. Basilius und seiner Schwester, der heiligen Makrina inspiriert ist, auf-genommen. Obgleich sie lange in der benachbarten Ukraine präsent war, kam die Gemeinschaft erst im Jahre 1935 nach Ungarn, als der griechisch-katholi-sche Bischof Miklós Dudas von Hajdúdorog zwei Basilianerinnen in das Dorf Máriapócs einlud, in dem die berühmte weinende Marienikone beheimatet ist.

Die zentraleuropäische Nation hatte schon zuvor kurz mit dem Kommunismus geliebäugelt — für ein paar turbulente Monate im Jahre 1919. Doch die Sowjetregierung, die dem Land nach dem Zweiten Weltkrieg von Stalin aufgezwungen wurde, sollte 40 Jahre lang währen. In dieser ganzen Zeit war es Schwester Imre Ágota und ihren Ordensschwestern verboten, im Kloster zusammenzuleben — die Regierung hatte sie aus dem Kloster vertrieben — oder ihre Ordenstracht anzuziehen. Stattdessen wurden sie zur Arbeit in Schulen oder anderen staatlichen Institutionen herangezogen, wo die Behörden ihre Tätigkeiten beaufsichtigten. Schwester Imre Ágota unterrichtete an einer höheren Schule Mathematik und Physik. Und nach einer langen Laufbahn im säkularen Beruf ging sie in den Ruhestand.

Doch als die Macht und der Einfluss der Sowjet-union schwand, verringerte sich auch die Gewalt der kommunistischen Partei über das ungarische Volk. Im Oktober 1989 rief eine antisowjetische Regierung eine dritte Republik aus und kündigte für den Mai des nächsten Jahres freie Wahlen an. Die neugewählte Regierung, die eng mit dem Westen verbündet war, setzte Reformen zur Ein-führung der freien Marktwirtschaft in Gang und ließ auch die katholischen Ordensgemeinschaften so-wohl für Männer als auch für Frauen wieder zu.

Im Jahre 1991 kehrten die vierzehn überlebenden Basilianerinnen — zu denen Imre Ágota, die jetzt Äbtissin war — in ihr Kloster in Máriapócs zurück. Heute sind davon nur noch sieben übriggeblieben, und von ihnen sind nur noch vier aktiv.

„Vor 1950 betrug das Durchschnittsalter [der 28 Schwestern in der Klostergemeinschaft] 28 Jahre“, sagte Schwester Imre Ágota. „Jetzt kann man 50 Jahre dazurechnen.“

Die Klostergemeinschaft hat, ebenso wie die anderen griechisch-katholischen Ordensgemein-schaften in Ungarn, Schwierigkeiten, Novizinnen zu finden. Mehrere Frauen haben es mit dem Ordens-leben versucht, doch jede von ihnen verließ das Kloster bald wieder. Die Schwestern hoffen und beten um mehr Novizinnen, doch falls niemand in die Gemeinschaft eintritt, wird das schlichte Ver-gehen der Zeit das bewerkstelligen, was 40 Jahre kommunistischer antireligiöser Politik nicht auszurichten vermochten.



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Tags: Monastery Communism/Communist Hungarian Greek Catholic