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der Ostkirche

Die orthodoxe Kirche von Griechenland

Von Michael J.L. La Civita

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Die Verfassung Griechenlands beginnt mit einer Anrufung der Heiligen Dreifaltigkeit und bezeichnet die orthodoxe Kirche von Griechenland als die „vorherrschende Religion“ der Nation. Diese Bestimmung erkennt die Rolle der Kirche in der Bildung des modernen griechischen Staates und ihren Einfluss unter den elf Millionen Menschen der Republik an, von denen sich mehr als 96 Prozent als Mitglieder der orthodoxen Kirche bekennen.

Weithin haben sich Forderungen nach der Ent-fernung dieser Bestimmung verstärkt, insbesondere seit Griechenland im Jahre 1981 der Europäischen Union beitrat. Das Statut ist jedoch unverändert geblieben, trotz zweier Verfassungsänderungen seit 1975.

Obgleich das orthodoxe Christentum die Geburt des modernen Griechenlands unterstützt hat und es seit fast zwei Jahrhunderten großgezogen hat, schuf der griechische Staat eigentlich die orthodoxe Kirche von Griechenland, womit er für einen sehr engen Zusammenhang zwischen Kirche und Staat sorgte.

Ursprünge. Das Christentum fasste in der grie- chischsprachigen Welt Fuß, als das Römische Reich seine Herrschaft über Griechenland und den östlichen Mittelmeerraum festigte. Die Römer erlegten den Griechen ihr eigenes Rechtssystem auf, gestatteten den besiegten Griechen aber ein großes Maß an Autonomie, sodass sie schließlich die griechische Kultur als ihre eigene annahmen. Der römische Dichter Horaz schrieb: „Das bezwungene Griechenland bezwang den rohen Sieger und brachte die Künste in das bäuerliche Latium.“ Die Arbeit des Apostels Paulus unter den Athenern, Kolossern, Korinthern, Ephesern, Galatern, Philip-pern und Thessalonichern ist gut dokumentiert. Ob in den römischen Provinzen Achaia, Epirus und Macedonia oder in der Diaspora Großgriechenlands, bildeten diese griechischsprechenden Christen städtische Gemeinden, die sich zu bedeutenden Zentren des christlichen Glaubens entwickelten.

Die Gemeinden des Paulus nahmen die Kultur der hellenischen Welt an, die das philosophische und theologische Vokabular bereitstellte, das notwendig war, um ihnen zu helfen, die Lehren Jesu Christi zu definieren und auszulegen. Als die Kirche überall im Römischen Reich wuchs, entwickelte sich eine ausgesprochen griechische theologische Schule neben einer syrischen Schule, die unter den gelehrten semitischen Christen vorherrschend war.

Häufig als kosmopolitisch verstanden, behauptete die griechische Schule schließlich ihren Vorrang, als der römische Kaiser Konstantin I. im Jahre 330 seinen Regierungssitz in den Osten des Reiches verlegte, nämlich von Rom in die kleine griechische Hafenstadt Byzantion (lat. Byzantium, dt. Byzanz) am Bosporus.

Offiziell „Neu-Rom“ genannt, nahm die Reichs-hauptstadt Konstantinopel (heute als Istanbul bekannt) eine ausgesprochen christliche Identität an, nachdem Kaiser Theodosius I. im Jahre 394 das Christentum zur Staatsreligion des Oströmischen (oder Byzantinischen) Reiches gemacht hatte. Und obgleich die Einwohner Konstantinopels mehr als 1000 Jahre lang stolz ihre römische Identität wahr-ten, verstanden sie sich selbst auch als Erben der Griechen der Antike.



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Tags: Christianity Orthodox Church of Greece