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der Ostkirche

Die Orthodoxe Kirche von Makedonien

Von Michael J.L. La Civita

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Vor fast einem Jahrhundert stritten die wieder erwachenden Völker der Balkanhalbinsel — die lange unter dem unterdrückenden Joch der osmanischen Türken gelitten hatten — über ein von Land umschlossenes Territorium, das größtenteils von des Lesens und Schreibens unkundigen Bauern bewohnt wurde. In den Balkankriegen 1912 und 1913, welche die ethnischen Konflikte des späten 20. Jahrhunderts vorausahnen ließen, standen sich Bulgarien, Griechenland, Montenegro, Rumänien und Serbien in einem unnachgiebigen Kampf um die Rechte an Land und Leuten mit unterschiedlicher Abstammung gegenüber.

Bis heute bleiben große Teile jenes Territoriums, das völkerrechtlich als die ehemalige Jugoslawische Republik Makedonien bekannt ist, ein Gegenstand regionaler Streitigkeiten.

Die Politiker im benachbarten Griechenland fechten den Gebrauch des Namens Makedonien an, denn eine nordgriechische Provinz trägt ebenfalls den Namen Makedonien.

Albaner stellen mehr als ein Viertel der zwei Millionen Einwohner der Republik. Ebenso wie ihre Verwandten in der benachbarten serbischen Provinz Kosovo, die ihre Unabhängigkeit jetzt erlangt hat, setzen sich auch die Albaner Makedoniens öffentlich für ihre Autonomie und Souveränität ein.

Das benachbarte Bulgarien weigert sich, die Makedonier, von denen die meisten Slawen sind, als eine eigenständige Volksgruppe anzuerkennen. Die Bulgaren klassifizieren die Makedonier als bulgarische Slawen, die einen bulgarischen Dialekt sprechen, womit sie die Legitimität und den Daseinsgrund der Republik Makedonien bestreiten.

Außer während einer kurzen Zeitspanne vor etwa 1000 Jahren, ist das Territorium, das heute gemeinhin als Makedonien bekannt ist, immer den Versuchen zur Landnahme durch Bulgaren, Griechen, Serben und Türken ausgesetzt gewesen.

Im Jahre 1991 entfachte die Auflösung Jugoslawiens — eines „Experiments“ aus einer romantischen Ära, das die Südslawen ohne Rücksicht auf Kultur, Geschichte und Religion vereinigen sollte — wieder neu makedonische kulturelle und politische Ambitionen. Das Wiederaufleben der „makedonischen Frage“, die einst die gekrönten Häupter und Minister Europas geplagt hatte, schürt nunmehr neue Ängste, weil die politische Geschichte des Balkans — des „Pulverfasses Europas“ — sich zu wiederholen droht.

Außerdem ist die bedeutendste Glaubensge-meinschaft des Landes, die orthodoxe Kirche von Makedonien, in ein fortwährendes Ringen um Anerkennung verwickelt. Die verschiedenen orthodoxen Nationalkirchen des Balkans — die bulgarische, griechische, montenegrinische, rumänische und serbische — haben im Laufe der Geschichte führende Rollen bei der Entwicklung unterschiedlicher Nationen gespielt. Dabei dienten sie als Träger der Kultur und waren Bastionen des Glaubens, insbesondere in gefahrvollen Zeiten. Die orthodoxe Kirche von Makedonien hat nun diese führende Rolle in Anspruch genommen, jedoch nicht ohne dass sie dadurch in Isolation geraten ist und sich Verachtung zugezogen hat.



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