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Perspektiven

vom Generalsekretär

Jubiläum

Von Robert L. Stern

Mein Flugzeug kam am internationalen Flug-hafen Ben Gurion in Tel Aviv an. Ich ging durch den langen, geräumigen Ankunftsbereich hindurch und erblickte eine Reihe von 60 auffälligen Einzelbildern, die an die Wände montiert waren — sie alle stellten jeweils ein bedeutendes Ereignis in jedem Jahr der Existenz des modernen Staates Israel dar.

Am 14. Mai 1948 wurde die Gründung des neuen Staates Israel ausgerufen. Sie wurde von den Vereinten Nationen in einer Abstimmung im November 1947 zur Teilung des Mandatsgebiets Palästina — des Teils des früheren Osmanischen Reiches, der nach dem Ersten Weltkrieg vom Völ-kerbund Großbritannien zugesprochen worden war — in einen jüdischen Staat, einen arabischen Staat und eine internationale Stadt Jerusalem bestätigt.

Die Umsetzung dieses Beschlusses erfolgte nach nur sechs Monaten. Als der britische Hoch-kommissar sich zurückgezogen hatte, war Israel geboren — wie alle Geburten, geschah auch diese mit Blut und Gewalt, da das Land von dem Mut-tergewebe, in dem es sich entwickelt hatte, abge-schnitten wurde.

Als die neue blau-weiße israelische Flagge stolz wehte und die gut vorbereiteten und bewaffneten zionistischen (jüdisch-nationalistischen) Kämpfer so viel Land wie möglich in Besitz ge-nommen hatten, waren die verhältnismäßig un-vorbereiteten palästinensischen Araber entsetzt.

Obgleich die Armeen der benachbarten arabi-schen Staaten sie verteidigten, besaß Israel, als sich einige Monate später die Aufregung gelegt hatte und die größten Feindseligkeiten beendet worden waren, den Großteil des Mandatsgebiets Palästina — den Kern des Heiligen Landes -, au-ßer dem Westjordanland (den Gebieten des biblischen Samaria und Judäa) und den an der Küs-te gelegenen Gazastreifen.

Zum ersten Mal seit der Eroberung Judäas durch die Babylonier (die Vorfahren der heutigen Iraker) im Jahre 587 v. Chr. bestand ein wahrhaft unabhängiger jüdischer Staat — ein Land für die Juden, das alte Bundesvolk Gottes.

Natürlich sind nicht alle Juden Israelis, aber fast jeder Jude in der Welt blickt liebevoll auf das moderne Israel und seine unglaublichen Errungenschaften während der kurzen sechzig Jahre seiner Existenz.

Überraschenderweise sind nicht alle Israelis Juden. Obgleich viele palästinensische Araber aus dem heutigen Israel flohen oder vertrieben wurden, blieben viele auch und sind heute israelische Bürger. Für eine Weile gab es eine Generation israelischer Araber, die stolz auf ihre neue Nationalität waren.

Doch mit dem Gang der Ereignisse in den Palästinensergebieten, die seit 1967 von den Israelis besetzt worden sind — dem Rest des Mandatsgebiets Palästina westlich des Jordan -, ist der Stolz vieler israelischer Araber untergraben worden.

In zunehmendem Maße teilen sie die Empfin-dungen ihrer Mitbrüder in den besetzten Gebie-ten, die an 1948 als eine Katastrophe zurückdenken, eine Katastrophe, die nun schon 60 Jahre lang andauert.



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